Ich habe in den letzten Jahren Gebrauch verschiedenster WordPress-Themes gemacht. Besonders ThemeForest bot dabei ein großes Angebot an verschiedenen WordPress-Templates an, sodass ich immer schnell ein für das jeweilige Projekt passendes Theme gefunden habe.

Wer selbst schon einmal auf der Suche nach einem passenden Design war, wird schnell merken, mit welchen Mitteln die verschiedenen Anbieter potentielle Kunden überzeugen möchten. Geworben wird dabei oft mit einem riesigen Umfang. Unzählige verschiedene Designs, tausende Funktionen und scheinbar nützliche Plugins, die es noch kostenlos dazu gibt. Auch das beliebte WordPress-Theme Divi ist ein prominentes Beispiel.

Page Builder vermittelt Einfachheit

Zu diesen scheinbar nützlichen Plugins zählt oftmals auch das Plugin WPBakery Page Builder (ehemals Visual Composer, erhältlich bei CodeCanyon). Dahinter versteckt sich ein sogenannter Page Builder, der sich riesiger Beliebtheit erfreut. Page Builder sind Plugins, die es dem Nutzer ermöglichen, seine Seite per Drag & Drop zu erstellen. Der Nutzer kann damit nach Belieben seine Seite selbst zusammenklicken. Textfelder, Bilder, Portfolios, Team-Übersichten, Slider, Kontaktformular und viele weitere Objekte stehen dabei zur Auswahl. Dieser ist dabei direkt im WordPress-Backend integriert. Bei der Erstellung eines Beitrags oder einer Seite reicht ein Klick auf einen Button und schon kann es los gehen.

Für den unerfahrenen Nutzer scheint diese Funktion perfekt. Eine Seite kann einfach erstellt werden und es werden nahezu keinerlei Kenntnisse der Webentwicklung benötigt. Auch der Neuling kann damit seine Ideen umsetzen, ohne sich zuvor die grundlegenden Kenntnisse in HTML, CSS und PHP angeeignet zu haben. Mit vorgefertigten Demos, die die jeweiligen Anbieter meist direkt mitliefern, ist nahezu jegliche Art von Webseite möglich.

Und zugegeben: Die damit erstelten Webseiten machen meist einen professionellen und vor allem modernen Eindruck. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sage, dass diese sogar besser aussehen als die meisten Seiten, die ich tagtäglich selbst bei größeren Unternehmen aus meiner Heimatstadt Essen entdecken kann. Dass die Webseiten in Windeseile mit einem Page Builder erstellt worden sind, dürfte wohl wenigen Besuchern auffallen.

Nachteile von Page Buildern

Was anfangs gut und einfach klingen mag, hat aber leider auch seine Schattenseiten. Für mich sind jene Schattenseiten sogar so groß, dass ich mittlerweile dem WPBakery Page Builder und anderen Page Buildern abgeneigt bin. Neue Projekte versuche ich ausschließlich ohne Einsatz eines solchen Tools zu erstellen.

Und plötzlich ist man abhängig

Der wohl für mich entscheidenste Punkt, der für mich gegen die Nutzung jener Tools spricht, ist die Abhängigkeit. Eine Seite ist mit einem Page Builder schnell erstellt, sieht gut aus und funktioniert ohne jegliche Probleme. Doch was dahinter steckt, erfährt man erst, wenn man zum Beispiel im WordPress-Backend etwas herumklickt. Wer sich aus den Menüs des jeweiligen Page Builders heraus klickt, landet direkt vor einem Haufen mit tausenden Zeilen wirren Codes.

Die Plugins bauen das komplette Design nämlich über sogegannte Shortcodes auf, die man dann eben per Drag & Drop an die gewünschten Stellen schiebt. Zum Zeitpunkt, zu dem man den Page Builder benutzt, mag das überhaupt kein Problem sein. Theme und Plugin interpretieren diese Shortcodes und bauen daraus dann das komplette Design.

Das Problem taucht erst auf, wenn man sich irgendwann dazu entscheidet, das Plugin nicht mehr zu benutzen oder ein anderes WordPress-Template zu installieren. Die beispielsweise durch WPBakery Page Builder (ehemals Visual Composer) hinzugefügten Shortcodes bleiben, ohne das Plugin entsteht daraus aber eben kein schickes Design. Man selbst und der Besucher blicken dann also auf ein Wirrwarr aus tausenden Zeilen Code, mit dem man nichts mehr anfangen kann. Ohne Page Builder ist die Webseite quasi unbrauchbar und kann nur noch mühevoll gerettet werden. Wie lange es dauern mag, bis alle Seiten und Beiträge von den unzähligen Shortcodes befreit wurden, mag man sich kaum vorstellen.

Wer sich also einmal für die Benutzung eines solchen Tools entscheidet, entscheidet sich für immer. Sich irgendwann umzuentscheiden, ist dann nur mit umfangreicher Arbeit verbunden. Sollte der Entwickler des Page Builders das Plugin in Zukunft nicht mehr weiterentwickeln und für die neueste WordPress-Version kompatibel machen, wird es ganz besonders kritisch.

Die Sache mit der Ladezeit

Martin Mißfeldt hat in einem seiner letzten Artikel etwas Ähnliches bereits angesprochen. WordPress-Themes und dazugehörige Funktionen sowie Plugins sorgen durch den großen Umfang oft für elend lange Ladezeiten. Aus meiner Sicht gehören Page Builder dabei zu den größten Ressourcenfressern.

Kein Wunder, schließlich werden für viele Funktionen zusätzlicher Code, weitere Skripte und oft auch CSS-Dateien benötigt. Oftmals werden all jene Elemente dann auch bei jedem Seitenaufruf geladen, selbst wenn sie eigentlich gar nicht benötigt werden. Die Folgen sind eindeutig: Die Seiten benötigen länger zum Laden, der Besucher wird unzufrieden und eventuell hat dies sogar negative Folgen im Bezug auf die Suchmaschinenoptimierung.

Sicherheitsrisiko: WPBakery Page Builder und Co

Der WPBakery Page Builder gehört wie bereits erwähnt zum Lieferumfang der meisten WordPress-Themes. Wer also beispielsweise bei ThemeForest ein Template kauft, erhält als Beigabe das beliebte Plugin als Download. Oft ist die Benutzung des Plugins sogar eine Voraussetzung, um das Theme wie beworben nutzen zu können. Das Problem: Da man selbst als Nutzer keine Lizenz des Plugins besitzt, bekommt es dadurch auch keine automatische Updates. Der Anbieter des Themes muss also selbst erst ein Updates seines eigenen Templates veröffentlichen und das aktuellste Updates vom WPBakery Page Builder zur Verfügung stellen. Es wundert wohl nicht, dass dies oft viel zu spät oder einfach überhaupt nicht passiert.

Wie groß dieses Problem sein kann, zeigte sich im Oktober 2015. Eine schwerwiegende Sicherheitslücke im beliebten Page Builder sorgte für riesiges Chaos. Zwar wurde die Lücke zeitnah durch den Entwickler des Plugins geschlossen, doch die neueste Version musste erst durch die Theme-Anbieter an die Kunden verteilt werden. Der Plugin-Entwickler bot als Notlösung auch eine Behebung der Sicherheitslücke für Nutzer an, die das Plugin durch ein WordPress Theme erworben hatten. Doch ob das Theme damit noch zufriedenstellend funktioniert, war durch die Modifizierungen der Theme-Entwickler fraglich – man warnte sogar davor.

Mein Fazit: Naja…

Auch wenn es der Titel dieses Artikels bereits verrät, möchte ich es noch einmal wiederholen. Ich kann WPBakery Page Builder bzw. Page Buildern allgemein leider keine Empfehlung aussprechen. Zwar bieten jene Plugins zwar durchaus eine einfache und bequeme Art, moderne Webseiten zu erstellen, vor allem auf langfristiger Sicht sollte man aber von Lösungen von Drittanbieter unbedingt Abstand nehmen.

Für blutige Anfänger mögen diese Plugins erst einmal ausreichen. Ich empfehle dennoch jedem Betreiber einer Webseite, sich zumindest Grundkenntnisse im Bereich der Webentwicklung anzueignen. Gerade wenn man eine professionelle Webseite mit langer Zukunft betreiben möchte, sind diese Kenntnisse fast schon unerlässlich. Für viele Funktionen und Layouts sollten Grundkenntnisse zudem ausreichen.

Update im Dezember 2018: Schon vor einiger Zeit hat man den Visual Composer in WPBakery Page Builder umbenannt. Dieser Artikel behandelt jenen Page Builder von WPBakery. Das nun unter dem alten Namen Visual Composer erhältliche Angebot wurde von mir nicht getestet. Ich wurde darauf freundlicherweise von einem Marketing-Verantwortlichen aufmerksam gemacht.